
Deutschland: Wohneigentum immer schwerer zu erreichen

Deutschland war in Europa schon immer die Ausnahme – in allen anderen EU-Ländern leben mehr Menschen in einer eigenen Wohnung als zur Miete. Selbst in den Niederlanden und in Frankreich sind es mehr als 60 Prozent; in manchen osteuropäischen Ländern sind es über 90 Prozent. Das beeinflusst natürlich die soziale Sicherheit; aus eigenem Wohnraum kann man nicht gekündigt werden, und die Einkommensverluste, die beim Übergang zur Rente stattfinden, machen sich weit weniger bemerkbar. An diesem Punkt sind die Deutschen also gleich doppelt getroffen, weil die prozentual niedrige Rente auf den geringen Anteil an Eigentümern trifft.
Das Statistische Bundesamt hat nun untersucht, wie sich der Zugang zu Wohneigentum von 2011 bis 2022 verändert hat. Diese Jahre liefern die Daten, weil sie jeweils Zensusjahre waren, also die vollständigsten Informationen auch in Bezug auf Haushaltstyp, Wohnort und Beruf liefern.

Der erste Befund daraus ist, dass die Eigentumsquote noch weiter gesunken ist. Im Jahr 2011 lag sie noch bei 45,9 Prozent der Haushalte, 2022 nur noch bei 44,3 Prozent. Das ist übrigens nicht einmal der niedrigste Stand – den gab es Ende der 1960er. Damals lag, nach dem Zufluss vieler Flüchtlinge und dem ersten Schub der Arbeitsmigration, zusammen mit dem massiven öffentlich geförderten Wohnungsbau, die Eigentumsquote bei nur 34,3 Prozent. Bis 2010 ist sie dann langsam gestiegen und geht nun erneut zurück.
Beim Alter der Wohnungsbesitzer gibt es eine klare Kurve – in dem Moment, in dem erwachsene Kinder aus der elterlichen Wohnung ausziehen, fällt sie stark ab, um dann langsam anzusteigen. Dabei erreichte sie 2011 ihr Maximum bereits mit 50 bis 54 Jahren, inzwischen erst mit 55 bis 59 Jahren. Das bedeutet, die meisten sind deutlich älter, wenn es ihnen gelingt, Wohnungseigentum zu erwerben. Dafür ging im Alter die Quote 2011 noch schneller zurück.
Der Unterschied zwischen Ost und West ist nach wie vor sehr ausgeprägt und beträgt im Schnitt zehn Prozent, bei den Älteren ist er allerdings noch größer. Dabei sollte man allerdings nie vergessen, dass die DDR-Bürger im Gegensatz zu allen anderen östlichen Ländern die Wohnungen, in denen sie 1989 lebten, nicht zum Eigentum erhielten.
Sehr ausgeprägt sind die Unterschiede nach dem Wohnort. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen liegt der Anteil der Eigentümer am höchsten; je städtischer der Wohnort wird, desto niedriger ist die Quote der Eigentümer. Während auf dem flachen Land und selbst noch in kleineren Städten im Alter oberhalb von 40 mehr als 60 Prozent in einer Wohnung leben, die ihnen selbst gehört (Zahlen, die sich seit 2011 nicht massiv verändert haben), lag in diesem Alter der Anteil der Wohneigentümer an den Haushalten in den kreisfreien Großstädten 2011 nur bei knapp über 30 Prozent und erreichte sein Maximum im Alter von 65 bis 69 mit 40 Prozent; 2022 waren es im Alter von 40 bis 44 nur 25 Prozent, und das Maximum von 40 Prozent wurde erst bei 75- bis 79-Jährigen erreicht.
Was man natürlich aus der statistischen Zahl erst übersetzen muss: Es bedeutet, dass diejenigen, die 2011 schon eine Wohnung besaßen, immer noch in ihr leben, aber die nachrückende Generation es deutlich schwerer hat, diesen Status zu erreichen.
Egal übrigens, ob auf dem flachen Land oder in der Großstadt – die Gruppe, die am häufigsten Wohneigentum erwirbt bzw. besitzt, sind Paare mit Kindern; bei den Einpersonenhaushalten ist das am seltensten. Allerdings sind eben die Quoten sehr unterschiedlich, und zwischen 2011 und 2022 gesunken. Das Maximum erreichen Paare mit Kindern in dünn besiedelten Kreisen mit 75,4 Prozent (2011 waren es 80 Prozent), das Minimum liegt bei Singlehaushalten in Großstädten mit 11,7 Prozent. Diese Unterschiede haben sich im beobachteten Zeitraum verstärkt, denn gerade bei den Singles in Großstädten betrug der Rückgang 20,9 Prozent.
Die Ergebnisse beim Bildungsabschluss überraschen ein wenig – 40- bis 49-Jährige mit einem Fachschulabschluss besitzen häufiger Wohneigentum (2022 noch 59,8 Prozent) als jene mit einem akademischen Abschluss (56,1 Prozent); bei einer Berufsausbildung im dualen System sind es noch 53,2 Prozent und ohne beruflichen Abschluss nur noch 34 Prozent. Gerade bei der letzten Gruppe haben sich die Chancen seit 2011 am deutlichsten verschlechtert. Darauf folgen aber gleich die Akademiker.
Insgesamt ergibt sich also, dass ein Akademiker oder jemand, der eine Fachakademie abgeschlossen hat und mit Partner und Kindern in einem dünn besiedelten ländlichen Kreis lebt, die höchste Wahrscheinlichkeit für Wohneigentum hat, während ein Single ohne Berufsabschluss in einer Großstadt kaum je zu Wohneigentum kommen wird.
Dass die Rückgänge gerade bei den Personen ohne Berufsabschluss und in den Großstädten am stärksten sind, zeigt, dass sich die Abstände zwischen Arm und Reich weiter verschärfen – in den Großstädten sind die Mieten am höchsten, und jene Gruppen, deren Eigentumsquote die niedrigste ist, haben auch das höchste Risiko für Altersarmut. Zusammen mit einer fortgesetzten Zuwanderung und viel zu geringem Wohnungsbau entsteht hier gerade ein massives Risiko von Wohnungslosigkeit im Alter.
Die Autoren des Statistischen Bundesamts kommen angesichts dieser Zahlen ebenfalls zu dem Schluss, dass sich die Bedingungen verschlechtert haben, um an Wohnungseigentum zu kommen, und folgern daraus:
"Ohne grundlegende Veränderungen der wirtschaftlichen, finanziellen und wohnungspolitischen Rahmenbedingungen ist daher mittelfristig nicht mit einer Trendumkehr zu rechnen. Vielmehr spricht vieles dafür, dass die Wohnungseigentumsquote in Deutschland weiter unter Druck bleibt – mit langfristigen Folgen für Vermögensverteilung, Altersvorsorge und soziale Ungleichheit."
Mehr zum Thema — Mangel als Dauerzustand: Wohnungspolitik steckt in der Sackgasse
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
