Deutschland

Bahnstillstand: Fehler beim Einbau – aber deutsche Politiker sehen böse Chinesen

Mittlerweile scheint es gleich zu sein, ob es um veraltete Technik geht oder schlichte Unfälle, irgendwie sehen manche immer Russland oder China dahinter. Die Bahn hat jetzt erklärt, warum die Züge stillstehen mussten. Kiesewetter sieht das aber anders ...
Bahnstillstand: Fehler beim Einbau – aber deutsche Politiker sehen böse Chinesen© Urheberrechtlich geschützt

Inzwischen scheint klar zu sein, was den Komplettausfall des deutschen Zugverkehrs in der Nacht zum Mittwoch verursacht hat. Bei einem Austausch eines Teils der Netzwerk-Technik sei keine Fehlermeldung entstanden, weshalb das Ersatzsystem nicht automatisch aktiviert worden sei.

Als später klar wurde, dass es sich mitnichten um einen Cyberangriff handelte, sei dann manuell auf das Redundanzsystem umgeschaltet worden.

Der Chef der DB InfraGo, die die ganze Bahninfrastruktur beinhaltet, Philipp Nagl erklärte, jetzt wisse man, wie man diesen Fehler in Zukunft verhindern könne. Und es seien einige Konsequenzen aus der Störung gezogen worden. Vorerst sollten keine weiteren Komponenten mehr ausgetauscht werden, Instandhaltungsarbeiten würden auf den Zeitraum von Mitternacht bis 4 Uhr früh beschränkt und fänden nur in dem von den beiden Funksystemen statt, das gerade nicht genutzt wird.

Das System, bei dem da ein Teil ausgetauscht wurde, GSM-R, ist eigentlich ein Mobilfunkstandard aus den 1990ern; das Netz wird auf einer Frequenz betrieben, die damals für die Bahn reserviert worden war, und arbeitet europaweit. Insofern ist Deutschland ausnahmsweise nicht das einzige Land mit etwas archaischer Technik – die Umstellung auf den nächsten Standard, der dann auf 5G beruht, soll im gesamten europäischen Bahnnetz in den nächsten Jahren stattfinden.

Allerdings haben sich völlig unabhängig von dieser Faktenlage im Zusammenhang mit dem Bahn-Stillstand heute auch noch zwei Politiker zu Wort gemeldet, Roderich Kiesewetter und der Grüne Konstantin von Notz. Und beide hielten es für eine gute Gelegenheit, China zu beschuldigen:

"Es ist ein grundsätzliches Problem in Deutschland, dass wir im Bereich kritischer Infrastruktur große Abhängigkeiten von chinesischen Komponenten haben und bereits jetzt viele chinesische Komponenten verbaut sind", erklärte Kiesewetter und forderte noch "ein Verbot des Ein- und Verbaus von Komponenten aller chinesischen Hersteller in kritische Infrastruktur und sicherheitsrelevante Infrastruktur".

Von Notz klang ähnlich: "Dass in den Systemen der Deutschen Bahn bis heute zahlreiche Komponenten auch aus Ländern zum Einsatz kommen, die unsere kritischen Infrastrukturen gezielt ausspionieren und immer wieder auch sabotieren, ist ein Zustand, an dem schnellstmöglich etwas geändert werden muss."

Allerdings sind die für einen Mobilfunkstandard der 1990er genutzten Teile so alt, dass eine Verwendung chinesischer Produkte eher unwahrscheinlich ist. Über US-amerikanische könnte man sich jedoch durchaus Gedanken machen. Aber die USA tun Deutschland ja nichts Böses ...

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