
1,8 Millionen für Escort-Dame aus Moldawien – die verhängnisvolle Nacht, die Vincenz alles kostete

In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 2014 eskalierte im exklusiven Park Hyatt in Zürich ein Streit zwischen Pierin Vincenz und einer Escort-Dame aus Moldawien. Die Frau hatte Vincenz in seiner Suite überrascht – wo bereits eine andere Frau im Bett lag. Der Streit wurde handgreiflich, es kam zu Verletzungen. Die Polizei rückte an und sicherte Spuren.
Um einen öffentlichen Skandal zu vermeiden, einigten sich Vincenz und die Escort-Dame gütlich. Über die renommierte Kanzlei Niederer Kraft Frey wurde eine Vereinbarung unter dem Codenamen "Projekt K" (für Konsilium) getroffen.
Vincenz verpflichtete sich zu monatlichen Zahlungen in einem Gesamtumfang von mindestens 1,8 Millionen Franken. Die Beträge wurden bar ausgezahlt – teils in sehr hohen fünfstelligen Summen.

Diese Vereinbarung brachte den damaligen Raiffeisen-CEO schnell in finanzielle Schwierigkeiten. Sein langjähriger Geschäftspartner und Berater Beat Stocker sprang ein. Er überwies Vincenz zunächst über 2 Millionen Franken, später folgten weitere 1,3 Millionen. Insgesamt erhielt Vincenz rund 3,39 Millionen Franken – offiziell als Rückzahlung aus der Beteiligung an der Genfer Firma Genève Credit & Leasing. Tatsächlich stammten die Gelder aus Gewinnen, die im Zusammenhang mit fragwürdigen Firmenübernahmen erzielt worden waren.
Die verdeckten Geldflüsse liefen über Konten bei der Bank Julius Bär. Als die Compliance-Abteilung der Bank 2015 misstrauisch wurde und die wirtschaftlich Berechtigten prüfte, kamen Vincenz' versteckte Beteiligungen ans Licht. Die Bank verbot daraufhin weitere Transfers zwischen Stocker und Vincenz. Dies berichtet der Tages-Anzeiger.
Entscheidend für die Ermittlungen wurde jedoch ein handschriftliches Notizbuch von Beat Stocker. Darin hatte er detailliert festgehalten, wie der Gewinn aus dem GCL-Deal aufgeteilt wurde – inklusive der Millionen für das "Projekt K". Ein Eintrag lautete sinngemäß: "Rückzahlg PV via GCL-Deal".
Spätere Notizen aus dem Jahr 2017 zeigen, wie sehr Stocker die laufende Finma-Untersuchung fürchtete. Dazu kamen WhatsApp-Chats, die die zunehmende Panik der beiden dokumentierten.
Besonders schwerwiegend wurde die Geschichte für Vincenz durch seine Steuererklärung. Die fast 3,4 Millionen Franken aus dem GCL-Deal deklarierte er nicht.
Als die Steuerbehörden nachfragten, behauptete er, es habe sich um ein Darlehen gehandelt. Auf die Frage, warum er das Geld nicht korrekt angegeben habe, soll er geantwortet haben, eine Deklaration hätte bedeutet, seiner damaligen Ehefrau Nadja Ceregato die gesamte Affäre mit der Escort-Dame aus Moldawien erklären zu müssen. Die Gerichte glaubten ihm diese Erklärung nicht. Vincenz wurde rechtskräftig zu einer Buße von knapp einer Million Franken wegen Steuerhinterziehung verurteilt.
Pierin Vincenz und Beat Stocker wurden bereits in erster Instanz wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung, Betruges und Veruntreuung im Zusammenhang mit mehreren Firmenübernahmen verurteilt. Am 10. August 2026 findet vor dem Obergericht Zürich die Fortsetzung des Berufungsverfahrens statt.
Es gilt die Unschuldsvermutung.
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